
Eine Abmahnung im Briefkasten oder E-Mail-Postfach löst bei den meisten Webseitenbetreibern und Unternehmern zunächst Schock und Unsicherheit aus. Die Frage "Abmahnung was tun?" steht dann im Raum, während gleichzeitig kurze Fristen laufen und häufig hohe Geldforderungen im Raum stehen. Doch Panik ist ein schlechter Ratgeber. Mit den richtigen Schritten und einem klaren Kopf lassen sich viele Situationen entschärfen und teure Fehler vermeiden.
Der wichtigste Grundsatz lautet: Handeln Sie nicht übereilt. Auch wenn in der Abmahnung meist eine sehr kurze Frist gesetzt ist – oft nur wenige Tage – sollten Sie keinesfalls sofort unterschreiben oder zahlen. Genau darauf spekulieren viele Abmahner: Auf die Angst und den Zeitdruck, der Betroffene zu unüberlegten Handlungen verleitet.
Lesen Sie die Abmahnung zunächst gründlich durch und verschaffen Sie sich einen Überblick über die erhobenen Vorwürfe. Prüfen Sie, wer der Absender ist und ob es sich um einen seriösen Rechtsanwalt oder möglicherweise um einen unseriösen Abmahnversuch handelt.
Nicht jede Abmahnung ist automatisch berechtigt. Folgende Punkte sollten Sie kritisch prüfen:
Prüfen Sie, ob der behauptete Rechtsverstoß tatsächlich vorliegt. Typische Abmahngründe im Online-Bereich sind:
Besonders häufig sind derzeit Abmahnwellen wegen technischer DSGVO-Verstöße. Eine Cookie Banner Abmahnung oder Abmahnungen wegen der Einbindung externer Dienste wie Google Fonts gehören zu den typischen Massenphänomenen.
Dokumentieren Sie den aktuellen Zustand Ihrer Website durch Screenshots. Speichern Sie die Abmahnung in Kopie und notieren Sie das Eingangsdatum. Diese Dokumentation kann später wichtig werden, um den Sachverhalt nachvollziehen zu können.
Bei Abmahnungen mit Forderungen über Bagatellbeträgen hinaus sollten Sie unbedingt einen auf das entsprechende Rechtsgebiet spezialisierten Anwalt konsultieren. Viele Rechtsschutzversicherungen decken solche Fälle ab. Die Kosten für eine erste Beratung stehen meist in keinem Verhältnis zu den Risiken einer Fehlreaktion.
Wenn der gerügte Verstoß tatsächlich vorliegt, sollten Sie ihn umgehend beseitigen – unabhängig davon, ob Sie die weiteren Forderungen akzeptieren. Dies zeigt guten Willen und nimmt dem Abmahner die Grundlage für weitere Schritte wie eine einstweilige Verfügung.
Bei Google Fonts Abmahnungen bedeutet dies beispielsweise, die Schriften lokal einzubinden statt sie von Google-Servern zu laden. Bei fehlerhaften Cookie-Bannern müssen Sie eine rechtskonforme Lösung implementieren.
Die meisten Abmahnungen enthalten eine vorformulierte strafbewehrte Unterlassungserklärung. Hier ist größte Vorsicht geboten:
Die geforderten Anwaltskosten sind häufig überhöht. Der Gegenstandswert wird oft willkürlich hoch angesetzt. Lassen Sie durch einen Anwalt prüfen, ob die Kostenforderung angemessen ist. In vielen Fällen lässt sich der Betrag erheblich reduzieren oder ist gar nicht geschuldet.
Folgende Reaktionen sollten Sie unbedingt vermeiden:
Es gibt durchaus Situationen, in denen eine Gegenwehr sinnvoll und erfolgversprechend ist:
Auch hier gilt: Die Entscheidung über eine Gegenwehr sollte immer mit anwaltlicher Beratung getroffen werden, da sie auch Risiken birgt.
Wenn Sie eine Abmahnung erhalten haben, ist dies ein Weckruf, die gesamte Website auf rechtliche Schwachstellen zu prüfen. Investieren Sie in eine professionelle Rechtsberatung zur Überprüfung folgender Bereiche:
Eine einmalige Investition in die rechtliche Absicherung Ihrer Website ist deutlich günstiger als mehrere Abmahnungen.
Die Frage "Abmahnung was tun?" lässt sich zusammenfassend so beantworten: Bewahren Sie Ruhe, prüfen Sie die Abmahnung gründlich, holen Sie fachlichen Rat ein und reagieren Sie überlegt statt überstürzt. Mit der richtigen Strategie lassen sich die Folgen einer Abmahnung oft minimieren. Gleichzeitig sollte jede Abmahnung als Anlass dienen, die eigene Website rechtssicher aufzustellen und künftige Risiken zu vermeiden. Schnelles, aber bedachtes Handeln ist der Schlüssel zur erfolgreichen Bewältigung einer Abmahnsituation.